Themenblog

Ich versuche hier gelegentlich zu einzelnen aktuellen Themen etwas zu schreiben. Schaut zwischendurch mal rein oder schreibt mir eine Mail, zu welchem Thema ich mal was schreiben sollte.

01.02.2017                                                                Thema Persönliche Schutzausrüstung

Viele Azubis haben mich in der letzten Zeit gefragt, wie das mit der „Zur Verfügung-Stellung“ der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) ist.  Leider ist es offenkundlich immer noch nicht Stand der Dinge, dass Azubis selbstverständlich eine PSA entsprechend ihrer Tätigkeiten kostenfrei von dem Arbeitsgeber erhalten. Einige von euch haben mir recht schlimme Situationen geschildert. Mit manchen von euch habe ich schon individuell gemailt oder telefoniert.
Aber, und das ist sehr erfreulich, gibt es auch viele Azubis, die sehr positiv über den Umgang mit der PSA in ihren Firmen berichten. Viele von euch bekommen nicht nur die PSA gestellt, sondern auch spezielle Firmenkleidung kostenfrei und entsprechend der Witterung ausgestattet.

Eines vorab: Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet euch Arbeitskleidung zu stellen. Sehr wohl hat er jedoch die Pflicht euch vor Gefahren zu schützen. Hierzu siehe folgenden Link  
http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/arbschg/gesamt.pdf  hier vor allem den §3 ff .
Das heißt: erst einmal muss er dafür Sorge tragen, dass keine Gefahren entstehen und wenn dies nicht möglich ist, dass er Schutzmaßnahmen ermöglicht.
Füße und Hände sind immer in Gefahr, daher hat er die Pflicht geeignete Sicherheitsschuhe (S3) und geeignete Handschuhe persönlich zur Verfügung zu stellen.
Persönlich zur Verfügung stellen bedeutet zweierlei:
1. Die PSA stehen nur dir persönlich zur Verfügung und du musst sie nicht mit anderen teilen.
2. Zur Verfügung heißt aber auch, dass die PSA nach wie vor Eigentum der Firma ist. Es ist nicht dein Eigentum und du hast dieses fremde Eigentum pfleglich und bestimmungsgemäß zu behandeln. Siehe in dem Link auch den §15 !

Fragen von euch:

Muss ich alle möglichen PSA schon zu Beginn der Ausbildung erhalten?
Nein, nur die, die zu Beginn notwendig ist, z.B. Sicherheitsschuhe und Handschuhe. Der Betrieb muss dir zu Beginn der Ausbildung sicher noch keine Schnittschutzausrüstung dir zur Verfügung stellen, wenn du mit solchen Werkzeugen und Maschinen (Motorsäge) noch nicht arbeitest.

Muss ich die Ohrenschützer tragen, die alle in der Firma tragen?

Ohrenschützer (Gehörschutz) gehören ganz klar zur PSA. Sie müssen entsprechend der Lärmbelastung, der du ausgesetzt bist, qualitativ entsprechen. Beim Arbeiten am Nassschneidetisch reichen Stöpsel sicher nicht aus, aber du brauchst auch keinen Gehörschutz wie ihn z.B. ein Flugzeugeinweiser auf einem Flugzeugträger trägt.  
Leider scheint es häufige Praxis zu sein, dass in der Kolonne die eher an der Maschine „stationiert“ sind und jeder der mit der Maschine hantiert, den jeweiligen Gehörschutz benutzt (alle benutzen den selben). Das ist nicht im Sinne des Gesetzgebers. Es hat jeder seinen eigenen Gehörschutz zu haben …. Es heißt ja persönliche Schutzausrüstung.

 

Habe ich ein Recht auf Regenkleidung?   
Das kommt darauf an; wenn du im Regen arbeiten sollst, dann ja !  Ich habe jedoch auch schon häufig gehört, dass viele bei Regen nicht arbeiten und sich eher mal unterstellen. Wenn du dann also keiner Gefahr ausgesetzt bist, dann brauchst du dich auch nicht vor ihr zu schützen, bzw. dein Betrieb muss dich nicht schützen wo keine Gefahr ist. Gleiches gilt übrigens auch bei Kälte.    
Schaut gerne auch hier in die Broschüre der Berufsgenossenschaft SVLFG. Hier erfahrt ihr viel zu diesem Thema …..  
http://www.svlfg.de/60-service/serv02_brosch/serv0201praev/broschueren/b22_galabau_und_sportlplatzbau.pdf

 

Solltet ihr weitere Fragen haben….. mail mir gerne

01.02.2016            Thema Winterdienst:
Dieser Winter ist ja nicht gerade besonders schneereich, jedenfalls nicht hier im Norden, wie es im Süden der Republik aussieht, weiß ich nicht so genau. Dennoch viele Azubis haben sich bei mir erkundigt, nachgefragt aber auch beschwert, weil sie nachts um 03:00 aus dem Bett geklingelt wurden, um dann ab 04:00 oder auch manchmal um 05:00 vom Betriebshof aus in den Winterräumdienst gerufen wurden. Die Frage war dann häufig: „Darf der Betrieb das von mir erwarten“? Meine klare Antwort ist dann: „ findest du Winterdienst / Schneeräumdienst in deinem betrieblichen Ausbildungsplan bzw. im Ausbildungsrahmenplan? Mit Sicherheit nicht ! Winterdienst ist nicht Bestandteil der Ausbildung im GaLaBau.“ Auch wenn der Ausbilder / Chef oder wer auch immer meint, dass  der Winterdienst dazu dient, mit Maschinen wie z.B. 1-Achs-Schlepper oder Kommunalschlepper oder Schneefräse arbeiten zu lernen, so ist das keine Erklärung für den Winterdienst. Mal von der Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes abgesehen, in dem Nachtarbeit eh verboten ist
http://www.gesetze-im-internet.de/jarbschg/__14.html , gibt es keinen Grund dafür, für Ausbildungszwecke nachts arbeiten zu müssen. Vielleicht sieht es anders aus, wenn man auf dem eigenen Betriebshof den Schnee räumt, da will ich nichts gegen sagen. Generell ist aber Winterdienst in der Ausbildung nicht vorgesehen.
Ich weiß jedoch auch von einigen Azubis, dass sie unter einem gewissen Druck stehen. Nach dem Motto „wir sind ein Team und arbeiten alle zusammen … wer sich da als Azubi ausschließt steht auch außerhalb des Teams“.  Diese Haltung gegenüber den Azubis ist genauso unfair, wie sie dumm ist und nur davon zeugt, keine Ahnung von dem Inhalt einer Ausbildung zu haben.
Wie kann man sich aber dennoch einigen. Konfrontation oder rechtliche Auseinandersetzungen sind immer doof. Zunächst könnte man sich auf „freiwillig geleistete Arbeitsstunden außerhalb der Ausbildung einigen, die entsprechend vergütet werden“. Natürlich kann man dafür nicht einfach die Ausbildungsvergütung als Berechnungsgrundlage heranziehen, sondern sollte in den Tarifvertrag schauen und entsprechend der Personengruppe den entsprechenden Stundenlohn nehmen. Wir sind dann sehr schnell bei der Personengruppe AN 7.3. - 7.5. und damit bei einem Stundenlohn von > 10,-€ Stunde.
Für all die, die an meinen Ausführungen zweifeln: Hier ein Link, der euch überzeugen sollte.

https://www.landwirtschaftskammer.de/bildung/pdf/gb-winterdienst.pdf      Oder auch hier auf der Seite im Download Bereich

Dies sollte den Chef die Augen öffnen, dass sie im Bereich „Winterdienst“ häufig auf der rechtliche falschen Seite stehen und den Azubis als Argumentationshilfe dienen. Denn eines ist immer wichtig und richtig: Kommunikation auf Augenhöhe

01.09.2015               Thema: Selbstverursachter Fachkräftemangel

Vorab, wenn Sie dieses Thema lesen, sind Sie nicht derjenige, den ich hier kritisiere. Sie sind auf dieser Seite und interessieren sich für Ausbildung, sonst wären Sie nicht hier. Diejenigen, die ich hier kritisiere, finden den Weg nicht zu dieser Seite, weil ihnen Ausbildung ----- egal ist.  

Man wird an jeder Ecke darauf hingewiesen, liest es in der Zeitung, hört und sieht man im TV und häufig berichten die Chefs der Firmen darüber, dass es einen Fachkräftemangel gibt. Die Verbände sagen das, die Ministerien sagen das, die Innungen usw.  An dieser Stelle könnte man Zig Quellenangaben tätigen, die das beweisen. Ich will auf diese Sammlung an Links verzichten und lege nur einen einzigen Link:
http://www.bibb.de/de/pressemitteilung_21933.php

Sicher; wir leben in einer Zeit des „Demografischen Wandels“. Die Geburtenzahlen gehen zurück. Hinzu kommt, dass immer weniger junge Menschen sich für handwerkliche Arbeit interessieren. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass in unserer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, das Handwerk leider nicht mehr den Stellenwert hat, den es haben sollte. Dies gilt genauso für den Garten- und Landschaftsbau. Auch hier gehen die Azubizahlen zurück. Glücklicherweise nicht so stark, wie in anderen Berufen, dennoch werden es kontinuierlich weniger Azubis; Jahr für Jahr.

Da stellt sich die Frage, wie dem entgegengetreten werden kann.
- Mehr Präsenz der ausbildenden Firmen in den jeweiligen Schulen wäre ein kleines Puzzleteil im großen Garten- und Landschaftsbau-Bild.
- Mehr jugendorientierte Werbung und Präsenz in den sozialen Netzwerken. Da ist ein Anfang gemacht, z.B. durch virale Filme auf youtube.
- Mehr Präsenz auf Berufsorientierungs-Messen, auch in Schulen.
- Mehr Angebote an Praktikumsstellen.
Es gäbe noch viel mehr guter Ideen, junge Menschen für den GaLaBau zu erwärmen.
Schau ich mir aber die Realität an, so sieht es in der Praxis ganz anders aus und ich will sogar sehr provokant so weit gehen zu sagen, dass der Fachkräftemangel hausgemacht ist. Wie komme ich auf solch eine freche Aussage?

Beispiele Praktikum: Schüler, insbesondere die, die sich sehr viele Gedanken in Richtung Berufsorientierung machen, erkundigen sich gerne via Internet über mögliche Ausbildungsstellen und Praktikumsstellen. Nun schauen wir uns mal die einschlägigen Portale an, z.B. bei landschaftsgaertner.com. Gibt hier ein Schüler seine Suchkriterien ein, so erhält er nur eine mickrig kleine Auswahl an Praktikumsstellen / Ausbildungsstellen. Ich schaue immer wieder mal gerne in dieses Portal, was ja auch in Werbe- und Informationsfilmen des AUGALAS beworben wird. Schaue ich mir die dort eingestellten Gesuche an, so sind für den gesamt norddeutschen Raum, häufig nicht mehr als 5-6 Gesuche für Praktikanten / Auszubildenden zu sehen. Und das, wo es allein in und um Hamburg bereits 70 Ausbildungsbetriebe gibt. Was soll ein junger Mensch darin eigentlich erkennen? Dass er erwünscht ist, dass er gesucht wird, dass man ihn willkommen heißt? Sicher nicht. Er wird sich sagen, „bei so einer kleinen Auswahl, hab ich eh keine Chance“. Was wird er danach tun? Firmen abtelefonieren, von denen er nicht weiß, ob sie überhaupt Praktikumsplätze anbieten? Nein. Er wird sich in ganz anderen Branchen umschauen; Tischler / Schreiner, Straßenbau, Hochbau/Tiefbau, Maurer usw. sind dann Alternativen.
Und schon haben wir einige Azubis nicht mehr, die sich eigentlich für den GaLaBau interessiert haben.

Beispiel Qualität des Praktikums: Ich höre leider viel zu häufig von jungen Menschen, die ein Praktikum im GaLaBau absolviert haben, dass das Praktikum ihnen die Lust auf den GaLaBau genommen hat. Eigentlich sollte dies aber anderes herum sein. Lust auf den Beruf zu machen, ist hier die Devise. Das Praktikum als „Gruß aus der Küche“, als „Trailer für einen guten Film“.
Natürlich werden manche jungen Menschen selbst in einem sehr guten Praktikum erkennen, dass dieser Beruf nichts für sie ist. Auch dafür kann ein Praktikum dienen. Aber wenn beispielsweise ein junger Mensch zu mir kommt und berichtet, dass er 2 Wochen nichts anderen gemacht hat, als Rechteckpflaster aufzunehmen, die 4 Seiten mit einer Kelle zu putzen und auf eine Europalette zu stapeln und dieser dann mit völliger Enttäuschung aus dem Praktikum geht, dann ist es wieder ein junger Mensch, der uns verloren geht.

Beispiel Bewerbung: Viele Betriebe haben immer noch die Haltung, dass sie meinen es sich leisten zu können, auf Bewerbungen zu warten und aus einem Stapel Bewerbungsmappen, sich die besten Bewerber heraussuchen zu können.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Wir müssen uns um Bewerber bemühen. Wir müssen in den Schulen Aushänge machen, eventuell sogar eine Anzeige in die Schülerzeitung setzen oder im Kontakt mit den Lehrern der Berufsorientierung in Verbindung setzen, um für den eigenen Betrieb Werbung zu machen.
Und wenn dann mehr Bewerbungen auf dem Tisch liegen, als man Azubis nehmen kann, dann doch nicht ohne Empfehlung einfach Absagen schicken.
Für den Berufsstand wäre es viel sinnvoller, wenn man mit dem Bewerber im Gespräch bliebe und ihn vielleicht an andere Firmen verweist. Wäre es nicht auch eine gute Idee, regional ein Ausbildungspool zu schaffen? Ein Pool in dem sich die suchenden Firmen mit den suchenden Bewerben finden können. Ich weiß von einer anderen Branche, da werden abgelehnte Bewerber mit dem Ablehnungsschreiben gleichzeitig zu einem „Bild Date“ eingeladen. Hier treffen sie dann auf Chefs und Personaler, die ebenfalls noch Azubis suchen. Eine innovative Methode, möglichst keinen Bewerber verloren gehen zu lassen.
Denn die Kehrseite wäre; bekommt der Bewerber von 2 – 3 Firmen der gleichen Branche eine Absage, sucht er bei einer anderen Branche. Und wieder einer, der verloren gegangen ist.

Zäsur: Wir sehen an diesen kleinen Beispielen, dass durch veraltete Haltungen,  wenig Kreativität und wenig Bestreben Azubis zu finden, bereits viele potentielle Bewerber erst gar nicht in die Ausbildung gelangen.
Studien über die Anzahl so verloren gegangener Azubis sind mit leider nicht bekannt. Vielleicht sind sie nicht erhoben, vielleicht kann man sie auch gar nicht ermitteln. Interessant wäre es aber schon zu wissen, wie viele auf diese Art und Weise nicht den Beruf des Landschaftsgärtners erlernen, die ihn eigentlich gerne erlernt hätten.

Aus reinem subjektivem Bauchgefühl würde ich mal vermuten, dass wir durchaus 10% der potenziellen Azubis verlieren.

 

Andere Zahlenwerte gibt es aber schon. Das sind Zahlenwerte die z.B. beschreiben, wie viele Azubis die Ausbildung beginnen und bis zur Prüfung absolvieren. Es sind Zahlenwerte, die die jeweiligen Landwirtschaftskammern ermitteln. Aus diesen wird eine viel zu hohe Abbrecher-Quote der Azubis deutlich. Wenn durchschnittlich 30 – 50% der Azubis die Ausbildung abbrechen, dann ist das eine Quote, die viel zu hoch ist. Hier muss man genau schauen, warum die Azubis die Ausbildung abrechen. Im seltensten Fall ist es der Wunsch einen anderen Beruf zu erlernen. Auch selten sind es Gründe wie z.B. Umzug der Familie oder andere soziale Gründe.
Befragungen der Azubis  zu ihrer Ausbildungszufriedenheit zeigen deutliche Zahlen auf. Wenn je nach untersuchter Kohorte bis zu 40% sagen, dass sie ihre Ausbildung nicht noch einmal in ihrem jetzigen Ausbildungsbetrieb machen würden, dann sind die mindestens bis zu 30 % zu viel.

Wenn sich Azubis als billige Arbeitskraft empfinden, wenn nur auf dem Papier die Ausbildungsinhalte des betrieblichen Ausbildungsplanes vermittelt wurden, dann sind das Gründe, die die Unzufriedenheit der Azubis erklären.
Und genau diese Unzufriedenheit, aus der sich dann häufig Verhaltensweisen entwickeln, die eine Ausbildung unmöglich macht, sind Gründe für abgebrochene Ausbildungen.
Wer unzufrieden ist, hat höhere Fehlzeiten, eine geringere Lernbereitschaft, keine Leistungsbereitschaft. Wer wenig Akzeptanz in seiner Ausbildung spürt, der geht.

 

Neulich, und da komme ich nun auch zum Ende dieses Blogs, sprach ein Ausbilder mich genau darauf an und sagte: „Die Azubis haben viel zu hohe Erwartungen“.
Ich kann das nicht bestätigen. Ich kenne keinen einzigen Azubi, der irgendwelche Erwartungen hat, die exorbitant hoch wären. Nicht ein einziger Beitrag von nun ca. 200 Einträgen im Forum dieser Seite, ist überzogen.
Ich habe bislang keine Erwartungshaltungen von Azubis gehört, die unberechtigt gewesen wäre.

Strukturierte Ausbildung temporär wie inhaltlich, Zeit des Ausbilders, Lehrgespräche, Unterweisungen, Akzeptanz der Kollegen, Zeit zum Lernen, Zeit zum Üben usw. sind keine überzogenen Wünsche der Azubis, sondern Selbstverständlichkeiten in einer Berufsausbildung.

Wenn wir intensiv daran arbeiten würden, solche Missstände abzubauen, wäre das Thema FACHKRÄFTEMANGEL für den GaLaBau nicht existent.     

 

12.07.2015     Thema: Erhöhung der Ausbildungsvergütung

 

Die letzten Tarifverhandlungen haben insbesondere den Auszubildenden einen kräftigen Schub in ihrer Vergütung gegeben. Siehe :   http://www.landschaftsgaertner.com/Verguetung.aspx
In der Ausgabe 02/2015 des Ausbilderinfos  http://www.augala.de/ausbilderinfo.aspx wird diese starke Erhöhung vor allem damit begründet, dass andere (konkurrierende)  Berufe, ebenfalls stark an der 1000,-€ kratzen, um  Auszubildende für ihren Beruf zu interessieren.  „Attraktives Argument“ nennt sich dieser Artikel und beschreibt, dass das Thema „Geld“ ein wichtiger Faktor bei der Berufswahl sei. Mit Umfragen unter Auszubildenden sei nachgewiesen, dass die Vergütung ein wichtiger Grund sei, sich für den einen oder gegen den anderen Beruf zu entscheiden.  
Ich bin dieser Meinung nicht und halte eine Entwicklung, die „über das Geld“ führt, sogar für gefährlich und abträglich. Ich werde auch eine Alternative darstellen.

Vorab: Ich gönne jedem Menschen ein bisschen mehr Geld, als er zum Leben braucht. Gut für die eigene Arbeit zu verdienen, finde ich auch für die soziale Gerechtigkeit als eine Selbstverständlichkeit. Wer gut arbeitet, soll auch gut verdienen. Wir haben jedoch bei der Ausbildung eine besondere Situation. Auszubildende werden nicht für ihre Arbeit bezahlt; bzw. ihre Arbeit ist das Lernen. Dementsprechend sollten sie auch für ihren Lernfortschritt vergütet werden. Hierzu habe ich in meinem Büchlein schon etwas geschrieben. Wonach die Auszubildenden entsprechend ihres Lernfortschrittes Vergütet werden sollten.
Verschiedene Begriffe werden hier schon verwendet, um dies auch deutlich zu machen. Arbeiter bekommen einen Lohn, Angestellte ein Gehalt und Auszubildende eine Ausbildungsvergütung. Es ist wichtig dies genau zu unterscheiden, denn: Viele Auszubildende klagen darüber, dass sie vor allem als „billige Arbeitskraft“ behandelt werden. Wenn Tätigkeiten verrichtet werden müssen, die kaum bezahlt werden, dann machen das die billigsten Arbeitskräfte, die Azubis. Leider herrschen immer noch in vielen Betrieben die Ansichten, dass „Auszubildende ihre Vergütung erarbeiten müssen“, dass „Auszubildende möglichst Gewinn bringend eingesetzt werden müssen“. Nein dies ist nicht so: Auszubildende sind zum Lernen da. Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht arbeiten sollten, das sollen sie. Sie sollen das rationelle Arbeiten lernen, sie sollen das Rücken schonende Arbeiten lernen, das fachlich korrekte Arbeiten lernen, sicherlich auch das quantitative Arbeiten lernen usw. Dabei steht aber das Wort LERNEN im Vordergrund. Die letzte tarifliche Erhöhung steigert aber die Haltung einiger Betriebe, dass Azubis noch mehr für ihre Vergütung arbeiten sollen und der eigentliche Auftrag auszubilden, noch weiter vernachlässigt wird.
Also: Die Erhöhung der Ausbildungsvergütung schürt die Haltung, dass Auszubildende vor allem arbeiten sollen und der Gedanke der Ausbildung zunehmend vernachlässigt wird.
Weiter: In der Argumentation zur Erhöhung Ausbildungsvergütung wird angeführt, dass potenziellen Azubis dies wichtig sei. Ich kann das nicht bestätigen. Weder auf dieser Internetseite (Forum) noch in meinen jährlichen Umfragen bei den Auszubildenden, war das Thema „Geld“ wirklich wichtig. Auch in Vorstellungsgesprächen bin ich nur äußerst selten nach der Vergütung gefragt worden. Ich gehe eher davon aus, dass wir „alte Herren“ meinen, dass es den Auszubildenden wichtig wäre, weil es uns wichtig gewesen wäre.  Ich darf „alte Herren“ jetzt einfach mal schreiben, wo ich nun auch auf die 50 zugehe. Unsere Generation ist noch mit anderen Werten aufgewachsen. Es waren materielle Werte, für die man lange sparen musste, um sie sich leisten zu können. Auto, Haus mit Garten, Urlaub usw. In unserer digitalisierten Informationsgesellschaft, gibt es jedoch auch gänzlich andere Werte, mit denen man Achtung und Respekt erhält. Ein Auszubildender sprach es recht deutlich an.
Er sagte: “ leasen kann heute jeder, Materielles ist mit kleinen Monatspauschalen keine wirkliche Anschaffung mehr… heute gibt es andere Werte.“ Er schilderte mir z.B. dass er in seiner Peer-Group sehr geachtet wird, da er streng vegan lebe und das aus Überzeugung. Weiter beschrieb er, dass man als junger Mensch dafür hoch angesehen wird, wenn man sich ehrenamtlich engagiert. Zugegeben, dieser Azubi kam aus einem ganz bestimmten Milieu, dem Sozioökologischem Milieu. Geld, Materielles wird vor allem in dem Milieu der Hedonisten für äußerst wichtig erachtet. Ein Milieu, welches jedoch gerade im Garten- und Landschaftsbau nicht unbedingt die Guten Azubis hervorbringt. Siehe auch:
http://www.sinus-institut.de/loesungen/sinus-milieus.html
Andere Milieus, wie z.B. die Traditionellen oder der bürgerliche Mitte schätzen vor allem den Wert der „Sicherheit“. Sicherheit heißt jedoch nicht zwangsläufig viel Geld. Auch die Azubis aus dem schwierigen prekären Milieu haben andere Werte, die ihnen wichtig sind, Wertschätzung und Vertrauen spielen eine viel größere Rolle.
Selbstverständlich: Kein Azubi würde zusätzliches Geld ablehnen, wenn man es ihnen anbietet. Aber Geld spielt bei den allermeisten Milieus, aus denen unsere Azubis kommen, nicht die vorrangige Rolle. Wir „alten Herren“ transportieren unsere Haltung, unsere Werte auf die jetzige Jugend und das ist sehr gefährlich, weil es den Blick von den wichtigen Dingen der Ausbildung wegleitet. Eigenschaften, die potenzielle Azubis wichtiger sind, sind z.B. die Antworten auf die Fragen
- wie ist die Ausbildung strukturiert?
- wer kümmert sich um mich?
- nimmt man Rücksicht auf mich?
- wie werde ich gefördert?
- bin ich überhaupt willkommen?

Mit solchen gut gewählten Antworten, diese gut in die Öffentlichkeit gebracht und auch umgesetzt, erreichen wir meines Erachtens viel mehr in puncto Nachwuchswerbung.
Ich vergleiche es mit folgendem Beispiel: Unsere Nachbarn zur rechten Seite sind stinkreich, sie geben ihren Kindern jeden Tag 20,-€ in die Hand und alle Wünsche werden erfüllt. Vom supertollen Fahrrad, über das Smart-Phone bis zum eigenen Fernseher in eigenen Zimmer, incl. Internetzugang usw. Was die Eltern aber nicht haben, ist Zeit und Erziehungskompetenz. Folge: Diese arroganten Kinder, verzogen und mit dissoziale Verhaltensweisen; die mag ich nicht geschenkt haben.
Unsere Nachbarn zur linken Seite haben nicht viel Geld. Beide arbeiten halbtags, das Auto ist alt, die Fahrräder der Kinder sind gebraucht usw. ich muss es nicht weiter ausführen. Aber eines merkt man durch diese Eltern und durch ihre Kinder. Sie lieben sich und sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Eine tolle Familie, bei denen ich gerne mal vorbeischaue.   

Und noch einen letzten Punkt, warum ich diese Entwicklung „über das Geld“ für abträglich halte. Wir Landschaftsgärtner haben schon einen besonderen Beruf. Kaum ein Beruf ist so vielfältig und vielschichtig. Wir müssen so viel lernen und können, wenn wir gut sein wollen. Und das auch unter widrigsten Bedingungen. Bei Frost und Kälte genauso wie bei Hitze und unter körperlicher Anstrengung. Wir haben einen tollen Beruf und ich bin stolz ein Landschaftsgärtner zu sein. Aber gut zu sein in diesem Beruf hat als Bedingung auch,  diesen Beruf zu lieben. Wer nur das Geld liebt, der wird kein ordentlicher Landschaftsgärtner werden. Wer den Beruf deshalb anfängt zu lernen, weil er ab August 2016 1000,-€ verdienen möchte, der wird nie diese 1000,-€ bekommen, denn er wird in der Probezeit abbrechen oder während der Ausbildungszeit sich einen anderen Beruf wählen.
Wir müssen sicherlich um Auszubildende kämpfen, aber über den Weg des Geldes zu gehen, ist ein Weg an den Bedürfnissen unserer jungen Menschen vorbei.
Wir sollten über Ausbildungsqualität, über Ausbildungsstrukturen, über das Image des Berufes nachdenken und diese Verbessern. Gerade im Bereich Image tut sich gerade was … virale Videos auf Youtube, Imagekampagne des Augalas (Groß, Stark, Stoltz, Kraetiv) gehen in die richtige Richtung, dürfen aber nicht nachlassen.

Wir sollten mit unseren speziellen, berufsspezifischen Werten, Tugenden, Normen und Strukturen unsere Qualitäten darstellen, weil wir sonst auf die Spitze gebracht nur eines erreichen: Die Wertigkeit des Berufes über das Geld. Und solch einen Abstieg in den Wert des schnöden Geldes, hat unser Beruf nicht verdient.

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